
Mit der Gestapo am Kaffeetisch
Nazis als Erbe: Spurensuche eines Kriegsenkels zwischen Verdrängung und Wahrheit
Nazis als Erbe: Spurensuche eines Kriegsenkels zwischen Verdrängung und Wahrheit
»Diese Schweine sind in unserem Haus ein- und ausgegangen.«
Ein einziger Satz – beiläufig in der Küche gesagt, beim letzten Familientreffen. Für Vasco Kintzel ist es der Moment, in dem das Schweigen bricht – unwiderruflich.
Was folgt, ist eine Reise, die sechzehn Jahre dauert – und die ihn weiter führt, als er sich je vorgestellt hatte: in deutsche und polnische Archive, in die Memoiren seines Vaters, den er zu kennen glaubte, in Tagebücher seiner Großmutter, die Dinge festhielt, die niemand lesen sollte. Und tiefer in die eigene Familie – in der das, was von Generation zu Generation weitergegeben wurde, längst zur Legende geworden war.
Was war wahr – und was Schutzbehauptung? Wer war Opfer, wer Täter, wer Mitläufer? Und was bedeutet es, als Enkel heute mit dieser Erbschaft zu leben?
»Mit der Gestapo am Kaffeetisch« ist eine schonungslose und zutiefst persönliche Spurensuche – und für viele Leserinnen und Leser weit mehr: Sie wird Ermutigung, den eigenen Familiengeschichten neu zu begegnen, die Biografien der Vorfahren zu hinterfragen und Anekdoten auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Schon während des Lesens möchte man sich selbst auf die Suche nach dem begeben, was vielleicht auch in der eigenen Familie im Verborgenen liegt.
Kintzel schreibt ohne die bequeme Distanz des Historikers, ohne Selbstschonung. Er schreibt als Nachkomme, der sich weigert wegzuschauen. Ein Buch, das aufwühlt, weil es Fragen stellt, die uns alle angehen.
Aus all diesen Elementen hat Vasco Kintzel eine packende und berührende Erzählung geformt, die beispielhaft stehen kann für ein neues Narrativ der Nachkriegszeit.
Erschienen im
umland verlag, Seelübbe
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320 Seiten, 19,95 €
Erscheinungsjahr 2026
ISBN 978-3-9827367-5-4
Presse
Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung:
»Vasco Kintzels Buch ist eine spannende und bewegende autobiografische Recherche über die NS-Täterschaft in der eigenen Familie und deren Nachwirkungen bis in die Gegenwart. Kintzel, ein „Kriegsenkel“, versteht seine Geschichte als Anleitung für viele Familien, in denen beim Auf- und Ausräumen der Elternhäuser Fotos und Dokumente auftauchen, die auf Täterschaft hindeuten.«
zum Artikel: Wenn Kriegsenkel suchen, wenn Kriegsenkel finden
»Der Autor schreibt bemerkenswert ehrlich, ohne zu beschönigen, und genau darin liegt die Wucht dieses Buches. Seine Geschichte zieht mich von der ersten Seite an in ihren Bann. Beeindruckend ist sein unbedingter Wille, die eigene familiäre Vergangenheit bis ins kleinste Detail aufzuarbeiten. Ebenso eindrücklich ist, wie beharrlich Kintzel nachfragt, auch dort, wo es unbequem wird. Schritt für Schritt setzt sich ein Bild zusammen, das nicht nur die eigene Familie betrifft, sondern exemplarisch für viele steht.«
zum Artikel: Mit der Gestapo am Kaffeetisch
Kulturmagazin Vogtlandstreicher:
»Der Autor rekonstruiert Lebensläufe, analysiert Schriftstücke und liest aufmerksam zwischen den Zeilen überlieferter Quellen. Auf diese Weise entsteht ein Bild davon, wie nationalsozialistische Verstrickungen in vielen Familien bis heute nachwirken können. Dabei beschränkt sich das Buch nicht auf eine rückblickende Analyse. Vielmehr versteht sich die Recherche auch als kritische Betrachtung der Gegenwart – eine Auseinandersetzung mit Verdrängung, Mitläufertum und persönlicher Verantwortung.«
zum Artikel: Mit der Gestapo am Kaffeetisch: Vasco Kintzel geht der verdrängten NS-Vergangenheit seiner Familie nach …
Peter Kees, Münchner Merkur:
»Die Geschichte seiner Familie wird so zu einer Blaupause für andere. „Viele Kriegsenkel finden beim Ausräumen der Elternhäuser immer wieder Hinweise auf Täterschaften in der NS-Zeit.“ Kintzel will mit seinem Buch ermutigen, selbst hinzuschauen und die Narrative der eigenen Familie zu hinterfragen.«
zum Artikel: Aufarbeitung: Vasco Kintzel aus Glonn schreibt Buch über Nazi-Vergangenheit seiner Familie …
Christoph Schieble:
»Vasco Kintzel hat sich bei der Recherche und beim Schreiben bestimmt nicht geschont. Denn einerseits war das True Crime, um das es hier geht, kein Vogelschiss. Man bekommt eine Ahnung davon, wie viel Recherchearbeit in das Buch eingeflossen ist. Und zum anderen hat dieses Verbrechen auch direkt mit seiner Familie zu tun gehabt. Wie mit Millionen anderer deutscher Familien. Diesen Roman, der keiner ist, aber sich wie einer liest, musste Vasco Kintzel sozusagen gegen sich selbst aufsetzen, gegen die durch eine neue Narrative bedrohte, tradierte Familienidentität, die auch die seine war. Hier trifft er einmal zu, der Ausdruck von der „brutalstmöglichen Aufklärung“«
zum Artikel: Brutalstmögliche Aufklärung